Generation Waldbesetzer – Im Baumhaus gegen die Klimakrise

Ein Film von Tatjana Mischke und Karin de Miguel-Wessendorf
Im Auftrag des HR
ARTE Re

Für den Ausbau der A49 soll der Dannenröder Forst abgeholzt werden. Klimaaktivisten aus ganz Europa besetzen den Wald, um die Rodung zu verhindern. Unterstützt werden sie von Dorfbewohnern und Bürgerinitiativen, die seit Jahrzehnten vor Ort gegen den Autobahnausbau kämpfen. Als im November 2020 Tausende von Polizisten anrücken, um die Waldbesetzung zu räumen, spitzt sich der Konflikt zu.

Seit Jahrzehnten streiten Befürworter und Gegner erbittert über den Ausbau der A49.  Die Autobahn soll Kassel und Gießen besser verbinden und wird von der regionalen Wirtschaft befürwortet. Schon vor 40 Jahren wurden die ersten Pläne entworfen. Fast genauso lange protestieren Umweltschützer und Anwohner gegen den Autobahnbau. Denn für die Trasse müssen 27 Hektar des alten, intakten Mischwalds gerodet und ein Wasserschutzgebiet überbaut werden.

Seit über einem Jahr besetzen über 300 junge Klimaaktivisten den Dannenröder Forst. In Baumhausdörfern und Zeltlagern campieren sie, um sich der Rodungsmaschinerie in den Weg zu stellen.  Sie möchten nicht nur den Wald schützen. Sie fordern auch ein Verkehrskonzept, das mit den Klimazielen von Paris vereinbar ist. Die 25jährige Joschik hat früher Politik studiert. Jetzt lebt sie in einem selbstgezimmerten Baumhaus in 20 Metern Höhe. Im Sommer wie im Winter harrt sie hier aus. Joschik weiß, dass sie Gesetze bricht. Aber für den Kampf um das Erreichen der Klimaziele ist sie auch bereit, ins Gefängnis zu gehen.

Barbara Schlemmer lebt im benachbarten Ort Homberg (Ohm). Die ehemalige Lehrerin ist die Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen den Bau der Autobahn A 49. Zusammen mit vielen anderen Anwohnern unterstützt sie die Waldbesetzer und veranstaltet jeden Sonntag einen Protest-Spaziergang durch den Dannenröder Forst.

Mit dem Start der Rodungsarbeiten im November 2020 eskaliert der Konflikt. 2000 Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet werden eingesetzt, um die Protestcamps zu räumen. Es kommt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, Festnahmen und Verletzten.

Der gewaltfreie Widerstand in luftiger Höhe stellt die Polizei vor besondere Herausforderungen, berichtet der Einsatzabschnittsleiter der Polizei. Den Beamten gelingt es, mehr als 100 Aktivisten von den Baumwipfeln herunterzuholen. Dabei passieren auch Abstürze mit lebensgefährlichen Verletzungen. Direkt nach der Räumung rücken die Baumfällmaschinen an und roden den Wald.

Joschik ist eine der letzten, die noch oben in ihrem Baumhaus ausharren.

Re: begleitet die Waldbesetzer und ihre Unterstützer, aber auch die Polizei und parlamentarische Beobachter während der vier Wochen der Räumung.

Schnitt: Dirk Hergenhahn
Kamera: Frank Kranstedt, Jennifer Günther, Dieter Stürmer, Roland Possler
Redaktion: Sabine Mieder (HR)

Erstausstrahlung:
02.02. 2021 um 19.40 Uhr, ARTE

Weitere Ausstrahlungen:
07.Februar 2021, 18:30 Uhr, HR
18. Februar 2021, 21:45 Uhr, HR

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