Die Geldnetzwerker – Mit lokaler Währung durch die Corona-Krise

Ein Film von Karin de Miguel Wessendorf
Im Auftrag des hr
ARTE Re

In der spanischen Region Katalonien versuchen zwei Städte mit lokalem Geld die Corona-Folgen zu lindern. Das funktioniert in Santa Coloma de Gramenet so gut, dass die Nachbarstadt von Barcelona ihren Angestellten in Zukunft sogar einen Teil der Gehälter in der Lokalwährung auszahlen will. Silvia Pérez betreibt hier ein kleines Restaurant. Ihr Geschäft hat unter dem Lockdown schwer gelitten, jetzt bekommt sie eine Nothilfe in der Lokalwährung. Dadurch werden gleichzeitig auch andere Unternehmen der Stadt gestärkt, bei denen sie einkauft. Es entsteht ein lokales Anti-Krisen-Netzwerk. Santa Coloma de Gramenet war in Spanien die Lokalwährungs-Pionierin. Schon vor fünf Jahren hat sie die „Grama“ eingeführt, um den Betrieben im Ort durch die Finanzkrise zu helfen. Jetzt bewährt sich das Instrument auch in der Pandemie.

In der kleinen Küstengemeinde Deltebre bei Tarragona wurde die Lokalwährung erst während der Pandemie eingeführt. Hier muss Marisa Miró mit wenig Geld ihren Alltag bewältigen. Seit einem Arbeitsunfall ist sie berufsunfähig. Als sie schwer an COVID erkrankte, war sie drei Monate lang an ihre Wohnung gefesselt. Die Isolation stürzte sie in eine Depression. Sie erhält jetzt eine soziale Unterstützung von der Stadt – in der neu eingeführten Lokalwährung. Keine große Summe, aber sie hilft ihr wieder auf die Beine. Marisa bekommt alle drei Monate 120 „Euro-Delta“ aus der Rathauskasse. Mit diesem Geld kann sie aber nur in lokalen Geschäften und Cafés einkaufen. Doppelter Vorteil: Sie kommt unter die Leute, und auch der lokale Handel profitiert von der Corona-Hilfe.

Redaktion hr: Sabine Mieder
Kamera: Frank Kranstedt, Matthias Popp
Ton: Christoph Schnüll
Schnitt: Christian Becker

Erstausstrahlung:
Am 22. April 2022, 19:40 Uhr, ARTE

Als Stream verfügbar:
In der ARTE Mediathek bis 18.10.2022