Die Kraft des Zyklus
Neue Forschung, alte Tabus

Unser Dokumentarfilm „Die Kraft des Zyklus – Neue Forschung, alte Tabus“ wird am Samstag, den 17. Februar um 21:50 Uhr auf ARTE gezeigt. Einen Ausschnitt der Doku gibt’s hier.

Der Menstruationszyklus wird neu entdeckt: von Forschenden, aber auch von den Frauen selbst.
Bis heute büßen Millionen Frauen auf der ganzen Welt Lebensqualität und Leistungspotentiale ein, weil die zyklische Natur von menstruierenden Menschen immer noch stigmatisiert ist. Selbst in der Wissenschaft ist außer teils reichlich schematischer Erfassungen und vereinzelten Erkenntnissen in Teilbereichen bislang noch wenig über den Zyklus bekannt. Aber jetzt ändert sich das zunehmend.

„Ich stelle mir eine Welt vor in der tatsächlich wirklich jede Sportlerin einen normalen Zyklus hat, dass jede Sportlerin Trainer und Trainerinnen hat, die ein zyklusbasiertes Training ermöglichen und durchführen“, sagt die Sportmedizinerin Professorin Dr. med. Petra Platen.
Aber noch ist das Zukunftsmusik, den bislang ist die Menstruation im Spitzensport ein Tabu. Mit einem Pilotvorhaben des Deutschen Leichtathletikverbandes und der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum will Professorin Petra Platen jetzt ein neues Kapitel im Leistungssport aufschlagen: Der hormonelle Einfluss auf das Leistungsvermögen von Sportlerinnen wird untersucht, um die stärkende Kraft des Zyklus nutzen zu können. Der Film „Die Kraft des Zyklus – Neue Forschung, alte Tabus“ begleitet die Sportmedizinerin Petra Platen dabei, wie sie durch zyklusbasiertes Training das Verletzungsrisiko der Spitzensportlerinnen reduziert.

Wie wenig erforscht der Menstruationszyklus ist, wird auch deutlich im Gespräch mit dem Evolutionsbiologen Christian Feregrino vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin.
„Wir wissen, dass es etwa 5500 Arten von Säugetieren gibt und nur etwa 80 Primaten. Also Menschen und Affen, vier Fledermausarten und jetzt diese Stachelmaus. Es sind also sehr, sehr wenige. Nur etwa ein Prozent der Säugetierarten menstruiert“, erklärt der Evolutionsbiologe „Wenn ich mit Leuten darüber spreche, sind sie immer überrascht. Sie sagen: Oh, ich dachte, alle Säugetiere würden menstruieren.“
Die Wissenschaftler am Max-Dellbrück – Centrum erhoffen durch die Forschung zur Evolution des Menstruationszyklus mehr Erkenntnisse über Krankheiten wie z.B. der Endometriose zu gewinnen.

Ein genaueres Zykluswissen kann auch Paaren mit einem Kinderwunsch helfen und ihnen aufwändige und gesundheitsgefährdende Behandlungen ersparen, weiß die Gynäkologin Petra Frank-Herrmann an der Uniklinik Heidelberg. Sie und ihre Kolleg:innen haben die weltweit größte Datenbank über den weiblichen Zyklus angelegt. Und dabei festgestellt: Die Annahme, dass ein Zyklus 28 Tage dauert, ist so nicht haltbar und viel zu schematisch.
Mehr Kenntnis über den Zyklus und den eigenen Körper kann Frauen stattdessen bei einer natürlichen Verhütung helfen – ganz ohne Hormone: Katharina, Valériane und Deborah lernen in einen Workshop zur natürlichen Familienplanung, wie sie mit diesem neuen Bewusstsein für ihren Körper, die Signale ihres eigenen Zyklus lesen können.
Tag für Tag menstruieren Millionen Frauen und dennoch gilt in vielen Kulturen das Menstruationsblut als schmutzig, als etwas wofür sich viele Frauen schämen. Dabei enthält genau dieses Blut einen Schatz, erklärt Dr. Ping Shen vom Deutschen Rheumaforschungsinstitut. Einen Schatz, der für weit verbreitete Erkrankungen wie Osteoarthritis in Zukunft Heilung, oder zumindest Linderung verspricht.

Credits

Autorinnen: Maja Meiners/ Heinke Schröder
Schnitt: Vanessa Wagner
Kamera: Andrea Rumpler u.a.
Musik: Sascha Blank
Producerin: Tatjana Mischke
Redaktion: Linde Dehner (ZDF)
Produktion: Valentin Thurn
Eine Produktion von Thurnfilm
Im Auftrag des ZDF