EIN ANDERER BLICK

Dokumentarfilme über Menschen und ihre Welt

Unser Sommer in Portugal

Mit Surfbrett und Fado durch die Krise

Ein Film von António Cascais

Im Auftrag von NDR und ARTE

Arte Re

Redaktion: Monika Schäfer

Erstausstrahlung am 11. August 2020 um 19.40 Uhr, ARTE

Eine Fadosängerin, ein Surflehrer, ein Tuktukfahrer: arte:RE begleitet Menschen, die im Großraum Lissabon als Solo-Selbständige im Tourismusbereich arbeiteten und plötzlich vor dem Nichts standen, als das ganze Land im März 2020 wegen des Coronavirus in einen Lockdown versetzt wurde. Wie erleben sie den Krisen-Sommer 2020 in Portugals Hauptstadt?

 

Fadosängerin Henriqueta Baptista, 66, arbeitete vor dem Lockdown jeden Abend in einem Fado-Restaurant im Altstadtviertel Alfama. Sie kassierte dafür 50 € pro Abend. Das Abendessen gab es gratis dazu. Nach drei Monaten Zwangspause eröffnen Mitte Juni die Fadorestaurants in Lissabon wieder. Henriqueta Baptista atmet auf. Aber sie muss feststellen: das „Geschäftsmodell“ Fadorestaurant ist teilweise zusammengebrochen: Es kommen viel weniger ausländische Gäste. Meistens bleibt das Lokal, wo sie auftritt komplett leer. Henriqueta geht trotzdem hin. Fado ist nicht nur ihr Broterwerb, Fado ist ihr Leben. Und: „Der Fado wird auch diese Krise überstehen“, sagt sie.

 

Auch Surflehrer Pedro Carvalho, 42, musste seine Schule und seinen Shop während des Lockdowns drei Monate geschlossen halten. Hilfe vom Staat gab es in der Zeit nicht. Als er Ende Juni seine Schule wiedereröffnet, muss er feststellen, dass keine ausländischen Touristen mehr kommen. Immerhin: er kann einige Kinder aus der Umgebung zu Sonderkonditionen unterrichten. Er rechnet in diesem Sommer mit 70 Prozent weniger Einnahmen als in den Vorjahren. Er hat Geldsorgen, aber auch viel mehr Zeit für sich und seinen Sport.

 

Mit Tuktuk-Fahrer, Hugo Samora, 45, fahren wir durchs sommerliche Lissabon. Die portugiesische Hauptstadt ist in diesem Sommer leer. Kein Vergleich zu der lebhaften Touristenmetropole, die er in den vergangenen Jahren erlebte. Hugo Samora weiß nicht, ob und wie es weitergehen soll. „Wir waren naiv, haben alles auf die Touristenkarte gesetzt und alles verloren. Werden wir Licht am Ende des Tunnels sehen? Oder werde ich aufgeben müssen?“  

 

Unsere Protagonisten berichten über ihre Ängste, aber auch über ihre Hoffnungen und kleinen Erfolgserlebnissen im Sommer 2020. Viele Menschen, die voll auf den Tourismus gesetzt hatten, machen sich Sorgen um die Zukunft.

 

Dabei hatte sich noch An­fang März hat­te sich für Por­tu­gal ein neu­er Be­su­cher­re­kord ab­ge­zeich­net. Im ver­gan­ge­nen Jahr ga­ben 27 Mil­lio­nen Aus­län­der dort mehr als 16 Mil­li­ar­den Eu­ro aus. Zu ei­nem gro­ßen Teil tru­gen sie zum Auf­schwung Por­tu­gals bei, ein Land das vor ei­nem Jahr­zehnt kurz vor dem Bank­rott ge­stan­den hat­te. In die­sem Jahr woll­te die Re­gie­rung ei­nen Haus­halts­über­schuss er­zie­len.

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