EIN ANDERER BLICK

Dokumentarfilme über Menschen und ihre Welt

Ramadan in Corona-Zeiten

Fastenbrechen ohne Gemeinde

Ein Film von Kadriye Acar und Tatjana Mischke

Im Auftrag des WDR

In der Reihe Echtes Leben

Redaktion Angelika Wagner

Erstausstrahlung am 24. Mai 2020 um 17.30 Uhr, ARD

Wiederhlungen:

26.05.2020, 21.32 Uhr, tagesschau24

28.05.2020, 00:15 Uhr, WDR

30.05.2020, 07.15 Uhr, tagesschau24

Rund fünf Millionen Muslime leben in Deutschland. Am 23. April begann für sie der Fastenmonat Ramadan. Nach islamischer Überlieferung wurde der Koran im Monat Ramadan herabgesandt, deswegen hat dieser Monat für die Muslime einen so hohen Stellenwert.

Im Ramadan fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das Essen nach Sonnenuntergang wird Iftar, also Fastenbrechen, genannt und mit Familie und Freunden zelebriert. In den Moscheen wird im Ramadan das „Iftar-Essen“ an Bedürftige verteilt.

 

„Aber dieses Jahr ist alles anders“, erzählt Halide Özkurt (40) aus Krefeld. „Es ist traurig, die leeren Teller in der Moschee zu sehen und zu wissen, dass sie dieses Jahr von niemandem benutzt werden. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich so etwas erlebe.“

Mit dem Imam der Moschee überlegt sie jetzt, wie sie die Bedürftigen trotzdem mit Essen versorgen können. Einige Moscheen wollen ein „Iftar-to-go“ anbieten, einen Lieferdienst, der den Bedürftigen das Essen bis vor die Haustür bringt.

Aber am traurigsten ist Halide Özkurt darüber, dass sie nicht mit ihren Eltern und ihrer großen Familie das Ende der Fastenzeit feiern kann. „War das Wetter schön, trafen wir uns, über 30 Leute, bei meinen Eltern im Garten. Meine Eltern trifft das jetzt sehr. Sie haben bereits die Geschenke für die Enkelkinder gekauft, die sie ihnen nach dem Ende der Fastenzeit, zum Zuckerfest geben wollten. Auch das müssen wir jetzt sehen, wie wir das machen können, ohne ihre Gesundheit zu gefährden.“

 

Auch Nadia Bouazzi Ouldaly, 32jährige Pflegedienstleiterin aus Düsseldorf, ist traurig. „Corona ist vor allem meinen Patientinnen und Patienten schwer zu erklären. Sie bekommen jetzt gar kein Besuch mehr, außer uns sehen sie in der Regel niemanden – das drückt schon auf die Psyche.“

Im marokkanisch und türkisch geprägten Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk verlangsamt sich das Leben im Fastenmonat Ramadan immer etwas. „Diesmal aber“, so Nadia Bouazzi Ouldaly, „steht das Leben hier still. Die vielen marokkanischen Restaurants bleiben geschlossen. Sie leben davon, dass sich die Familien abends, nach Sonnenuntergang, zum Iftar-Essen treffen. Das war immer eine schöne Atmosphäre: das Viertel war voller Menschen, viele Familien mit Kindern. Das geht jetzt nicht mehr.“

 

Vor allem aber vermisst Nadia Bouazzi Ouldaly ihren Vater. Er lebt in Marokko, und niemand weiß, wann er nach Deutschland reisen darf. „Das Fastenbrechen ohne meinen Vater, das fällt mir schwer. Seit dem Tod meiner Mutter waren wir Ramadan immer zusammen. Marokko liegt nur drei Flugstunden von hier, es könnten aber auch dreißig sein, durch Corona ist es schlicht unerreichbar“.

 

Echtes Leben begleitet gläubige Muslime während des Fastenmonats Ramadan. Wie gehen sie mit den Einschränkungen in der Corona-Krise um?

  • w-facebook
  • Instagram
  • Vimeo
  • White Google Places Icon