3sat, 17. Mai 2010, 21.30 – 22.00 Uhr, in der Reihe „hitec“
3sat, Wiederholungen am Montag, 14. Februar 2011 um21:30 Uhr und am
Sonntag, 20. Februar 2011 um 16:00 Uhr
Ein Film von Valentin Thurn und Frank Bowinkelmann
Ins Krankenhaus wird man gebracht, um wieder gesund zu werden. Doch manchmal wird man erst dort richtig krank. Die weltweite Ausbreitung neuer Super-Bakterien in den Krankenhäusern bereitet den Ärzten Sorge. Der am weitesten verbreitete und gefährlichste unter den Krankenhauskeimen heißt MRSA (multiresistenter Staphylokokkus aureus). Der Keim ist gegen die gängigen Antibiotika resistent und wird immer aggressiver: Die Zahl der Medikamente die noch eingesetzt werden können sinkt von Jahr zu Jahr. MRSA kann zu schweren Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Sepsis und nicht selten zum Tod führen. Europaweit sterben jedes Jahr rund 50.000 Menschen an dem Killer-Keim.
Seit der Entdeckung des Penicillin haben sich die Ärzte darauf verlassen, dass Antibiotika bakterielle Infektionen wirksam bekämpfen. Doch sobald ein neues Antibiotikum erfunden wurde, gab es schon wenige Jahre später resistente Bakterien-Stämme. Sie haben sich vor allem in den Ländern ausgebreitet, in denen die Antibiotika besonders großzügig angewendet werden. Dort hingegen, wo sie gezielter und sparsamer vergeben werden, gibt es auch weniger Super-Keime.
In der Chirurgie herrscht das höchste Risiko, sich mit einem Krankenhaus-Keim anzustecken. Angefangen bei der Vollnarkose, bei der eine Röhre in die Lunge des Patienten gelegt werden muss, um Erstickungen zu verhindern. Die Mikroben können jeden Zugang zum Körperinneren nutzen, und sei er noch so winzig. In den letzten 20 Jahren breitete sich MRSA stetig in den Krankenhäusern Europas aus. Allein in Deutschland infizieren sich jährlich 15.000 Patienten, in Frankreich fast doppelt so viele.
Die Niederlande sind das einzige europäische Land, das die Ausbreitung von MRSA-Keimen in Krankenhäusern fast auf Null senken konnte. Wie haben das die Holländer geschafft? Zum einen reagierten sie schnell (bereits in den 80er Jahren) als überall in Europa MRSA zum Problem wurde. Zum anderen reagierten sie strikt: Alle Risikopatienten werden isoliert, in einem Raum mit Unterdruck-Schleuse und strenger Zutritts-Kontrolle. Der Mikrobiologe Prof. Jan Kluytmans aus der Amphia-Klinik in Breda befürchtet allerdings, dass man die Erfahrungswerte nicht übertragen kann: „Die Situation in unseren Nachbarländern ist schwer mit Holland zu vergleichen. In Großbritannien zum Beispiel sind die Krankenhäuser oft sehr alt, manchmal sehr schmutzig. Die Strukturen sind unterschiedlich, die Krankenschwestern arbeiten anders, es gibt weniger Pflegepersonal pro Patient und mehr Betten in einem Zimmer. All das muss man ändern, wenn man MRSA kontrollieren will, und zwar im ganzen Land. Wenn das nur ein einziges Krankenhaus macht und alle anderen nicht, dann wird es ständig Probleme geben. Es müssen alle an einem Strang ziehen, eine nationale Strategie ist notwendig“.
Die Filmemacher Valentin Thurn und Frank Bowinkelmann gehen der Frage nach: Was wird in europäischen Krankenhäusern gegen die Ausbreitung der Krankenhauskeime unternommen? Wie haben es die Niederländer geschafft, die Zahl der MRSA-Erkrankungen fast auf Null zu reduzieren? Wie breiten sich neue Keime aus gegen die kein Antibiotikum mehr hilft? Welche Hoffnung gibt es durch die Forschung an Impfstoffen? Und: Wie kommen Patienten, die im Krankenhaus mit einem Super-Keim infiziert wurden und ihn wohl nie wieder los werden, damit zurecht?
3Sat-Webseite
Weitere Infos zur Sendung auf der hitec-Webseite:
Teufelskreis durch Antibiotika
Die Erfolgsmethode "search and destroy"
Kosten- und Zeitdruck forcieren das Problem